Aktuelles aus Nigeria - Eindrücke der Dienstreise von Jochen Kirsch im August 2011
Generelle Situation
Die Sicherheitslage ist nach wie vor sehr angespannt. In Maiduguri kommt es fast täglich zu Bombenanschlägen und Schiessereien mit Anhängern von Boko Haram. In Jos hat sich die Situation insgesamt beruhigt. Doch kommt es auch hier immer wieder zu spontanen Zusammenstössen insbesondere zwischen den Jugendlichen beider Seiten. Auch der Rest Nordnigerias (zum Beispiel Bauchi, Biu, Kaduna, Niger oder Kano) ist nur scheinbar ruhig. Mit Anschlägen und anderen Ausbrüchen von Gewalt ist ständig und überall zu rechnen.
Entsprechend nervös agieren Polizei und Militär. Auf allen Strassen, auf denen ich unterwegs war, gab es Kontrollen durch schwer bewaffnete Soldaten mit Maschinengewehren und kugelsicheren Westen. Zudem musste ich mich gemeinsam mit allen anderen Ausländerinnen und Ausländern nicht nur am internationalen Flughafen Abuja, sondern auch auf dem relativ kleinen Flughafen in Yola strengen Einreisekontrollen unterziehen. Auch kann man mittlerweile SIM-Karten für das allgegenwärtige Mobiltelefon nicht mehr am Strassenrand erwerben, sondern nur noch in speziell autorisierten Geschäftstellen mit persönlicher Registrierung unter Vorlage von Führerschein oder Personalausweis.
Der Regen kam auch in diesem Jahr wieder spät und zunächst sehr unregelmässig und sporadisch. Während die Regenzeit im Norden Nigerias üblicherweise bereits spätestens im Mai beginnt, kamen die ersten kräftigen Regenfälle in diesem Jahr erst im Juli. Ob sie wohl ausreichen werden, um das Getreide zur Reife zu bringen? Oder enden sie vielleicht auch früher? Der sehr sandige Boden, insbesondere in den nördlicheren Landesteilen wie Gavva oder Maiduguri, erschwert den Anbau von Getreide zusätzlich. Die fruchtbare Humusdecke ist sehr dünn und der Boden anfällig für Erosion. Auch kann er das Regenwasser nicht festhalten, sondern lässt es rasch versickern. Der starke, warme Wind, der die Regenfälle üblicherweise begleitet, tut ein Übriges, die oberen Bodenschichten rasch wieder auszutrocknen.

- Getreideacker bei Gavva, Nordnigeria. Wird der Regen für eine gute Ernte reichen?
