Ein Goldenes Jubiläum in unruhigen Zeiten
Anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Partnerschaft zwischen der Basler Mission/mission 21 und der Kirche der Geschwister in Nigeria (Ekklesiyar Yan'uwa a Nigeria: EYN) fanden Mitte August in Gavva grosse Feierlichkeiten statt. Leider wurden diese von tragischen Ereignissen in Maiduguri und Bauchi überschattet. Infolge von Unruhen, welche die islamistische Sekte "Boko Haram" ausgelöst hatte, wurden zahlreiche Einrichtungen - darunter auch Kirchen und Schulen - zerstört und rund 1'000 Menschen verloren ihr Leben.
Diese Ausgabe des Blitzlichts Nigeria widmet sich in ihrem ersten Teil dem Goldenen Jubiläum, während der zweite Teil die Hintergründe und Folgen der aktuellen Unruhen aufzuzeigen versucht. Dabei geht es nicht zuletzt auch um die Frage, wie sich die langjährige Beziehung zwischen mission 21 und der EYN gerade in diesen schwierigen Zeiten bewähren und zur Förderung eines friedlichen Zusammenlebens in Nigeria beitragen kann.

Das Senfkorn ist zum Baum geworden
Christine Gühne
Es war ein Jubiläum unter zunächst düsteren Vorzeichen: Zwei Wochen vorher war noch unklar, ob das Fest in Gavva anlässlich des 50. Geburtstags der Arbeit der Basler Mission/mission 21 in Nigeria wie geplant mit ausländischen Gästen würde stattfinden können oder ob aufgrund der Situation im Land Besuche und Reisen unmöglich sein würden. – Zeit für ein Missions- und Kirchenjubiläum?
Als traditionelle Friedenskirche steht die EYN auch für die nächsten 50 Jahre vor grossen Herausforderungen und ist dazu aufgerufen, im Dialog mit den gemässigten Kräften des hiesigen Islam den Respekt und das Vertrauen der Muslime zu gewinnen und geduldig durch ihren christlichen Dienst an den Menschen weiterhin Samenkörner des Friedens auszusäen.
So wurde der über dem Jubiläumsfest strömende Dauerregen von den Menschen dankend und hoffnungsvoll empfangen als Segens-Regen, der Samenkörner aufgehen lässt.
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Aktueller Bericht zu "Boko Haram"
Jochen Kirsch
Die Stimmung innerhalb Nigerias ist zur Zeit recht einheitlich schlecht und pessimistisch: Nach der verhaltenen Aufbruchstimmung nach den Wahlen, die sich mit der Geschichte und Persönlichkeit des neuen Präsidenten Umar Yar’Adua verbunden hatte, ist die Enttäuschung und generelle Politikverdrossenheit grosser Teile der Bevölkerung nun umso grösser. Nach wie vor hat man das Gefühl, die wachsenden Sorgen und Nöte der Menschen würden von Politik und staatliche Institutionen nicht ernstgenommen, und hinter wohlfeilen Worten würde stillschweigend vor allem in die eigene Tasche gewirtschaftet.
Diese Stimmung bildet nicht zuletzt auch einen fruchtbaren Nährboden für das Wachstum gewaltbereiter Gruppierungen wie der islamistischen Sekte Boko Haram. So kamen bei den jüngsten Unruhen in Maiduguri Ende Juli 2009 rund 1'000 Menschen ums Leben: vor allem Anhänger von Boko Haram, aber auch einige christliche und muslimische Geiseln sowie Angehörige von Polizei und Militär. Das Stadtgefängnis, Schulen, diverse Behörden und Polizeistationen sowie zahlreiche Polizeiautos wurden ein Raub der Flammen. Drei Pfarrer wurden ermordet und mehr als 20 Kirchen in Maiduguri und Umgebung beschädigt oder zerstört – vermeintlich als Vergeltung für die im Rahmen der Unruhen in Jos Ende letzten Jahres getöteten Muslime sowie die zahlreichen zerstörten muslimischen Einrichtungen und Geschäfte.
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