Ein hoffnungsvoller Empfang

- Lautsprecherdurchsagen verkünden die Ankunft des Starevangelisten
„Come, listen and receive your miracle!“ Komm, hör zu und erlebe dein Wunder! Orangene Schrift auf neongelbem Untergrund. Seit Wochen ist Mubi mit den Transparenten und Plakaten tapeziert, die verkünden, dass Starevangelist Reinhard Bonnke aus Deutschland und sein Juniorpartner Daniel Kolenda aus den USA nach Mubi kommen werden.
Aus ganz Nigeria, aus den Nachbarländern, aus Dörfern und Städten strömen die Menschen nach Mubi. Die lokale Regierung stellt dem Starevangelisten eine ganze Autoeskorte nagelneuer Autos zur Verfügung. Ganz Mubi ist auf den Beinen, selbst die verschleierten muslimischen Mädchen stehen am Strassenrand und winken begeistert, als Bonnke am 10. Februar um die Mittagszeit über die staubige Sandstrasse nach Mubi hineinrumpelt – umgeben von unzähligen Mopeds, auf denen die Jugendlichen und Erwachsenen Bonnke willkommen heissen. „Nicht einmal dem Präsidenten von Nigeria würden wir einen solchen Empfang bereiten wie Bonnke!“, sagt mir ein Mann in der Menge.
So gut wie alle Einwohner von Mubi haben in der kommenden Woche die Aufgabe, die vielen Verwandten zu ernähren, die zur „Great Gospel Campaign“ in die Stadt gekommen sind. Linda, die Tagesmutter unserer Tochter Magdalena, klagt: Die gesamten Vorräte für die nächsten Monate werden verbraucht. Aber was soll sie machen? Es ist ein fester Grundsatz afrikanischer Ethik, dass man Gastfreundschaft bis zum persönlichen Ruin üben muss. Der Zusammenhalt in der Grossfamilie kann hier durchaus grausame Züge annehmen. Und auch unser Compound bevölkert sich zusehends. Bei unseren Nachbarn und Kollegen Daniel und Ruth ist die Mutter von Joshua und Saratu angekommen.
Daniels Tochter Lois trägt die kleine Saratu durch die Gegend, die glucksend lacht, wenn sie in unserer Hängematte geschaukelt wird. Wie Saratus Mutter sind viele andere mit der Hoffnung auf Heilung hergekommen. Viele Geschichten von Bonnkes Gospel Campaign aus dem letzten Jahr im nahen Yola sind im Umlauf: Fast jeder erzählt uns davon, jemanden zu kennen, der dort geheilt wurde.
