Unruhen in Nordnigeria – auch Kirchen betroffen
Basel, 13. August 2009. Heftige Unruhen in Nigeria haben auch Todesopfer unter Christen gefordert. Die Kirche der Geschwister (EYN), eine Partnerorganisation von mission 21 in Nordnigeria, beklagt Tote und Zerstörungen. Die Friedensarbeit der EYN soll trotzdem weitergeführt werden. Ökumenische Mitarbeitende von mission 21, die sich zum Zeitpunkt der Unruhen im Nordosten Nigerias aufhielten, befinden sich in Jos in Sicherheit.
In Nordnigeria ist es Ende Juli zu Kämpfen zwischen der Armee und islamistischen Rebellen gekommen. Die Unruhen forderten rund 800 Todesopfer. Seit zwölf der 36 Bundesstaaten Nigerias 1999 das islamische Recht der Scharia eingeführt haben, kommt es immer wieder vereinzelt zu Gewalttaten. Nigeria ist mit rund 140 Millionen Menschen das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Christen und Muslime machen jeweils knapp die Hälfte der Bevölkerung des Vielvölkerstaates aus. Im Norden des Landes überwiegt der Islam, im Süden das Christentum. Trotz eines grossen Erdölreichtums lebt ein Grossteil der Nigerianerinnen und Nigerianer in Armut. Bereits im November 2008 kam es in der Stadt Jos zu blutigen Unruhen mit mehreren hundert Toten. Dieses Mal konzentrierten sich die Unruhen vor allem auf die Stadt Maiduguri, wo am meisten Menschen ums Leben kamen und sich die grössten Zerstörungen ereigneten.

Kirchen unter Beschuss
Dreizehn Kirchen, davon zwei Gebäude der Kirche der Geschwister (EYN), einer Partnerkirche von mission 21, wurden in Maiduguri zerstört. Seitens der radikal islamistischen Gruppierung Boko Haram wurden offenbar gezielt zahlreiche Christinnen und Christen umgebracht. Eine gut unterrichtete Quelle der Partnerkirche EYN aus dem Unruhegebiet spricht von mindestens vierzig Todesopfern, darunter mindestens zwei Pfarrer. Ausser den Anhängern der Gruppierung, welche von Militär und Polizei auf Befehl des nigerianischen Präsidenten in grosser Zahl in den Kämpfen erschossen wurden, kamen auch Angehörige des Militärs und der Polizei ums Leben. Ausserdem wurde viel Eigentum wie Autos, Häuser und Läden zerstört. Ökumenische Mitarbeitende von mission 21, die in der Kirche der Geschwister tätig sind, befinden sich in Jos in Sicherheit.
Vorwürfe gegen die Regierung
Heftige Vorwürfe werden seitens der Kirchen gegen die Regierung des Bundesstaates Borno gemacht. Bereits vor Monaten hätten die Sicherheitsdienste auf die zunehmende Gefahr durch die radikal islamistische Gruppierung Boko Haram aufmerksam gemacht. In öffentlichen Predigten habe der Führer der Gruppierung Mohammed Yusufu angekündigt, die Bewegung würde einen Angriff planen. Selbst Tageszeitungen hätten darüber berichtet. Die Regierung habe sich aber völlig passiv verhalten. Bei den aktuellen Kämpfen seien über einhundertachtzig Anhänger der Gruppierung Boko Haram, darunter auch Frauen und Kinder, aus dem Bundesstaat Bauchi in den Bundesstaat Borno gebracht worden, um in diesem Jihad mitzuhelfen.

Versöhnung suchen – kirchliche Friedensprojekte
Religiöse Spannungen sind neben Armut, Korruption, politischer Instabilität und Machtmissbrauch der Sicherheitskräfte Hauptgründe für die erneuten Unruhen in Nigeria. Deshalb unterstützt mission 21 seit rund zehn Jahren die Friedensarbeit der EYN. Dazu gehört der Aufbau tragfähiger Beziehungen zu Führern der muslimischen Religionsgemeinschaft, Seminare für Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Kurse für Kirchgemeinden zu Themen wie Gewaltprävention und friedliche Konfliktlösungsstrategien. Der Konflikt in Maiduguri zeigt auf, dass die Erfahrungen der EYN in Sachen Konfliktprävention und Vermittlung mehr denn je notwendig sind.
Auskunft
Albrecht Hieber, Abteilungsleiter Internationale Beziehungen
Telefon 061-260 22 59, E-Mail: albrecht.hieber@mission-21.org
Lukas Zemp, Medienbeauftragter mission 21
Telefon 061-260 23 15, E-Mail: lukas.zemp@mission-21.org
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